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Potsdam-Babelsberg



Geschichte
Schloß und Park Babelsberg
Filmpark Babelsberg

Die Geschichte des Stadtteils


Der aus 3 Teilen bestehende Stadtteil wurde 1939 in Potsdam eingemeindet. Die Geschichte reicht jedoch merhere hundert Jahre weiter zurück.
Neuendorf wurde 1375 erstmals urkundlich von Kaiser Karl IV erwähnt. Es war damals noch ein Rundplatzdorf, wurde jedoch später zerstört und 1850 durch andere Häuser 1850 ersetzt. Die Kirche (Bethlehemkirche), die 1850-1853 nach dem Vorbild der Kirche St. Gereonte in Köln von Ludwig Ferdinand Hesse und Christian Heinrich Ziller entworfen und gebaut wurde, ist ein 8- eckiger Zentralbau. Durch Zerstörungen im Krieg blieb sie lange Zeit unbenutzt und dem Verfall überlassen, inzwischen wurden jedoch weite Teile der Kirche restauriert.
Der Teil Nowawes wurde als Weber- und Spinnerkolonie von Franz dem Großen angelegt, auch heute erinnern noch Straßennamen wie Garnstraße, Weberplatz und Tuchmacherstraße an die ursprüngliche Bestimmung des Gebietes. Sie diente vorrangig tschechischen Einwanderer, die wegen der Religions-, Steuer-, 6 Jahre Miet-, Einquartierungsfreiheit, die hier garantiert wurde kamen.
Nowawes ist ihre Übersetzung von "Neuendorf". Doch trotz der Bemühungen, hier Industrie anzusiedeln blieb Nowawes stets ein Armenviertel, in dem nur Tagelöhner und Arbeitslose lebten. Um das "rote" Nowawes aus den Köpfen der Leute verschwinden zu lassen, kam es 1938 zu dem Zusammenschluß von Nowawes und Neubabelsberf zu Babelsberg. Sehenswert in Nowawes sind in allererster Linie die Weberhäuser:
WeberhausDa die Weber viel Platz zum Trocknen ihrer Tücher brauchten, wurden die Häuser extra breit gebaut. Zu einem solchen Haus gehörten etwa ½ bis 1 Morgen Land, auf dem die Wäsche dann ausgebreitet werden konnte. In den Straßen Alt Nowawes und Mühlenstraße stehen noch einige dieser Häuser. Die Friedrichskirche auf dem Weberplatz wurde 1752/53 von Boumann erbaut. Sie ist ein Saalbau mit einem Westturm; innen hat sie Emporen. Die Sakristei (1911/12) wurde ebenso wie die Treppenhäuser (1928) erst später eingebaut. Der Platz rund um die Kirche war zu damaliger Zeit mit Maulbeerbäumen für Seidenraupen bepflanzt. Es gelang jedoch nicht Seidenraupen in großer Menge zu züchten.
Ganz im Gegensatz zu dem alten Babelsberg gab es mit Neu-Babelsberg, das 1871 von der Architektengemeinschaft Ende und Bockmann gegründet worden war ein völlig anderes Bild: Zu Zeiten der Könige in Potsdam galt es als wahrscheinlich, daß die Karl Marx Straße die Verbindung zu Berlin- Teltow- Glienicke für den König sein könnte, so daß hier eine Vielzahl von Villen entstand, frei nach dem Motto "Sehen und gesehen werden". In der Spitzweggasse stehen zwei Häuser, die recht bekannt sind: Das Haus Nummer 3 ist das Erstlingswerk von Mies van der Rohe (damals 20 Jahre). Vor dem Bau der Villa wurde er deshalb von seinen Auftraggebern auf eine 6 wöchige Bildungsreise nach Italien geschickt. So entstand ein eingesschossiger Putzbau mit ausgebautes Kellergechoß und Satteldach mit Zwerchdach für den Philosophen Alois Riehl (bekannt für die Biographie von Nietzsche). Das Haus Nummer 6 wurde im Stil der italienischen Frührenaissance für den Direktor der islamischen Abteilung des Pergamommuseums Professor Sarre. Auffällig sind die Tafeln mit dem Löwenfries, die vermutlich für die babylonische Prozessionsstraße nachgebrannt wurden. Das Haus am Johann Strauß - Platz Nr. 11 wurde von Hermann Mathesius für den Seidenweberfabrikanten Hans Gugenheim im Landhausstil aus Backstein gebaut. Auffällig sind die französischen Fenster. Diese Haus diente als zeitweiliger Wohnsitz für die Schauspielerin Brigitte Horney.
Auch nachdem die Könige aus Potsdam verschwunden waren verlor die Karl Marx Straße nicht an Bedeutung. Das Haus Nr. 2 wurde 1891 von den Architekten Kayser und Großheim gebaut. Besitzer war der Verleger Müller Grote, dessen Tochter Renate Müller Filmschauspielerin war.1945 mußte er das Haus jedoch innerhalb weniger Stunden wegen der Potsdamer Konferenz räumen. Die Russen warfen dabei das gesamtes Verlagsarchiv auf den Müll, wo es rettungslos verloren war. Dabei dürfte den Besitzer wenig interessiert haben, daß dieses Haus als Residenz von Truman gedacht war. Hier kam es auch zu einer der traurigsten Ereignisse der Nachkriegszeit: Truman gab hier seine Unterschrift für Atombombenabwurf über Hiroschima und Nagasaki.
Nach 1961 mußte das Haus wegen seiner Nähe zur Grenze geräumt werden.
Das Haus Nummer 27 wurde auf Verlangen von dem Teppichfabrikanten Herpich gebaut. In seinem Namen entstand ein 2-geschossiger Putzbau mit dekorativer Ornamentik, wobei die Innenräume mit einer Stuckdecke ausgeschmückt waren. 1945 diente diese Wohnung als Unterbringung für Stalin bei der Potsdamer Konferenz. Im Stil einer Burganlage wurde das Haus Nummer 66 für Gustav Lilienthal (ein Verwandter Ottos) gebaut. In den 30igern wohnte dort Heinz Rühmann. Auch in der Virchowstraße stehen einige interessante Häuser. Zum Beispiel Haus Nummer 1-3. Hier steht die Villa Quandt. Sie gehörte einem Fabrikbesitzer. In den 20igern war Goebbels dort Hauslehrer, spannte ihm später die Frau aus und heiratete sie. Das Haus Nummer 23 stammt wieder von Mies van der Rohe, der diese Villa 1915 im Bauhausstil für den Bankaufsichtsrat Franz Urbig baute. So entstand ein 2-geschossiger Putzbau mit Walmdach und Pilastergliederung, der im Erdgeschoß französiche Fenster bekam. Dieses Haus diente Churchill als Residenz während Potsdamer Konferenz. Noch ein Haus ist eines genaueren Blickes wert. In der Baldurstraße Nr. 6 steht das Haus Mathies, ein gekalkter Backsteinbau mit winkelförmigem Grundriß und schiefergedecktem Satteldach. Dieser Bau von 1936 stammt aus der Feder von Egon Eiermann.

Schloß und Park Babelsberg

Schon beim Bau am Jagdschloß Glienicke fiel Lenné das 130 ha große Gelände am Babelsberg in die Augen und er empfahl es Wilhelm I. 1833 bekam Prinz Wilhelm I das Gelände dann endlich von seinem Vater geschenkt. Schloß und Park Babelsberg dienten dann dem späteren König und Kaiser Wilhelm I als Sommerresidenz.
Der etwas verwildert wirkende Park entstand ab 1833 durch Lenné nach englischem Vorbild. 1842 beendete Lenné sein Werk. Als Wilhelm I Kronprinz wurde, brauchte etwas mehr Repräsentanz, daher ließ er den Park vergößern und verschönern. Die weitere Parkgestaltung legte er in die Hände von Fürst Pückler-Muskau, der auch die Gestaltung des das Schloß umgebenden Schmuckgärtchens übernahm und auch die der 1844 gebauten Terasse im italienischen und französischen Stil. Der Pleasure Ground, der das Schloß umgab, hatte auf seinem gepflegten Rasen kleine Inseln aus Blumen, die von einem Goldgitter umgeben waren. Hier besiegelten König Wilhem und Otto von Bismark ihre Zusammenarbeit, die sich nicht nur auf den "Kampf gegen Parlamentsherrschaft" beschränkt haben dürfte. Die Vorstellungen von der Gestaltung des Parks waren bei Lenné und Pückler-Musku grundverschieden: während Lenné seine Bäume und Sträucher gleich in Hinblick auf deren Wachstum und die beabsichtigten Sichtachsen gepflanzt hatte, erreichte Pückler-Muskau diesen Effekt, indem er erst lauter Bäume pflanzte und störendes Holz dann einfach entfernt wurde. Seit 1841 wurde auch an einem Bewässerungssystem für den Park gebaut, für das 1843-45 das Pumphaus an der nördlichen Havelbucht nach Plänen von Persius entstand. Das Pumphaus auch als Maschinenhaus bekannt versorgte bis 1958 die etwa 22 km lange Bewässerungsanlage des Parks. Der Schornstein entspricht dem Stil des normannischen Bergfried. In der Havel erschien auch immer eine große Fontäne, aufgrund der Grenzlage und der damit verbundenen Sicherheitsbegrenzungen verfiel das Gebiet am Havelufer jedoch und auch die Fontäne wurde lahmgelegt.
1834 entstand das etwas eigentümlich anmutende Schloß am Abhang des Babelsberges durch Carl Friedrich Schinkel. Dieser hatte ein Schloß nach Windsor-Vorbild geplant mit assymetrischem Grundriß, zinnenbekrönten Türmen, Bogengängen, Erker und Terasse. In den ersten 2 Jahren entstand jedoch nur der östliche Trakt, da Wilhelm I nur begrenzte Finanzmittel zur Verfügung standen. 1840 wurde der Bau auch aus Gründen der Repräsentation dann fortgesetzt. Nach Schinkels Tod übernahm Persius die gesamte Leitung und nach dessen Tod führte Strack die Pläne zuende. So entstanden in der Zeit von 1844 bis 1849 der westliche Teil mit 8-eckigem Tanzsaal und Turmgruppe im Stil mittelalterlicher Spätromantik. Während der Bauzeit gab es starke Veränderungen im Baustil: vom Landhaus zum mittelalterlichen Prachtschloß im eklestizistischen Burgenstil, diese Stiluntreuheit ist wohl einer der Gründe für das ungewöhnliche Aussehen des Schlossen, ein anderer wird wohl Wilhems Frau Augusta sein. Diese hatte zwar zeichnerisches Geschick, aber weder Geschmack noch Stiltreuheit, trotz allem redete sie Schinkel in die Pläne und gestaltet so das Schloß mit. Vor allem ihre extravaganten Wünsche machte den Architekten zu schaffen. Ebenfalls nahe dem Ufer befinden sich Matrosenhaus und das kleine Schloß. Das spätromantische Matrosenhaus wurde 1842 gebaut und 1868 noch einmal verändert. Die Front ist im Stil märkischer Backsteingotik entstanden, der Giebel ist dem des Stendaler Rathauses nachempfunden. Dieses Gebäude diente anfangs den Matrosen der Königsboote, später waren sie jedoch größtenteils den Bediensteten der Gäste des Königs vorbehalten. Das kleine Schloß später auch Damenhaus genannt war vormals ein Gartenhaus wurde 1841 von Persius dann umgebaut und war seitdem für den kleinen Friedrich Wilhelm (den späteren Kaiser Friedrich III) und seine Erzieher gedacht und später dann als Hofdamenunterkunft. Daher auch der Name Damenhaus. Heute befindet sich dort ein kleines Cafe. Hinter dem kleinen Schloß befindet sich der schlichte Marstall nach Entwürfen von E. Gebhardt. Der Kindermannsee ist der einzige erhaltene künstliche See auf dem Gelände, benannt nach dem Hofgärtner, der die Ideen Pückler-Muskaus umsetzte. Das Pförtnerhaus auf der Allee nach Glienicke wurde 1880 von Persius im Stil der damals in Mode kommenden Neugotik gebaut Ganz im Gegensatz dazu steht das Kutscherhaus, das noch aus der Zeit von 1771 stammt. Bevor das Gelände für Wilhem I erstanden wurde diente das typische märkische Bauernhaus einem Winzer als Wohnung.
Der 40 Meter hohe Flatowturm nördlich des Kutscherhauses wurde 1853 nach dem Vorbild des Eschenheimer Torturms gebaut und gewährt eine wunderschöne Sicht über Potsdam. Der Turm wurde anstelle der Babelsmühle gebaut, die 1848 abgebrannt war und bekam seinen Namen nach der gleichnamigen westpreußischen Herrschaft, aus der auch das Geld zum Aufbau des Turmes stammt. Die Räume dienten zum Teil als Gästezimmer, aber eigentlich war der Turm eher Rumpelkammer: mit den Sammlungen an Hufeisen, Porzellanhunden, Aschenbechern, ...
Sehenswert ist auch die Gerichtslaube auf der Lennéhöhe. Im Mittelalter diente der untere Teil dem Gericht, während der obere der Ratsstube vorbehalten war. Das Original stand ehemals in Berlin und diente ca 600 Jahre lang als Vorhalle des alten Berliner Rathauses, sollte jedoch abgerissen werden. 1871 wurde die Gerichtslaube also abgebrochen und in Potsdam nach Plänen von Strack wieder aufgebaut, wohingegen in Berlin das rote Rathaus an der Stelle entstand.

Filmpark Babelsberg

Bekannt ist auch der Filmpark Babelsberg, der vielen Produktionen der Ufa (zu Zeiten der DDR der den DEFA-Filmstudios) Kulisse für mancherlei Film oder Serie bot.
Darunter die Daily Soap "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten".